Graymalkin

Avatar

Jake Sully in seinem AvatarZu meiner freudigen Überraschung habe ich es in der ersten Woche des neuen Jahres noch tatsächlich geschafft mir James Cameron’s SciFi-Epos Avatar anzuschauen.
Zum ersten Mal war ich in einer 3D-Vorführung. Die bisherigen 3D-Filme hatten mich alle nicht sonderlich interessiert und nur aufgrund des 3D-Effekts wollte ich nun auch nicht ins Kino gehen. Mit Avatar, einem Film der mich nicht nur aufgrund der Tatsache interessierte, dass es sich um James Cameron’s neusten Streifen (oder sollte man besser sagen Bitstrom) handelt, sondern weil mich SciFi-Filme im Allgemeinen interessieren.

Gut, ich will gerne zugeben, dass James Cameron da sicherlich keine unwichtige Rolle bei meiner Vorfreude auf Avatar gespielt hat. Mit Terminator 1 & 2 und Aliens hat er drei meiner absoluten Lieblingsfilme und mit Terminator eines der populärsten SciFi-Universen der letzten 25 Jahre geschaffen. James Cameron hat sich nach seinem letzten Spielfilm (Titanic) vor fast 12 Jahren nicht im Kämmerlein eingeschlossen und die Kohle gezählt, sondern war maßgeblich an der Entwicklung der Filmtechniken beteiligt, die es ihm ermöglichen sollten, die Flora und Fauna in seinem neuen Film zu erschaffen. Dieser Film wurde Avatar.

Avatar spielt im Jahr 2154, die Menscheit hat auf dem Planeten Pandora einen Rohstoff entdeckt, welcher sich wunderbar zur Energiegewinnung eignet. Diesen abzubauen stellt mit den modernen Technologien kein unlösbares Unterfangen da, wären nicht die aufmüpfigen Bewohner von Pandora, die Na’vi. Kleine Randnotiz: der Rohstoff wird Unobtainium genannt. Wenn da mal nicht das Wort “unobtainable” (unerreichbar) ein Foreshadowing heraufbeschwört.
Dies Na’vi jedenfalls sind knapp drei Meter groß, äußerst gelenkig und verfügen über einen Wirbelsäulenfortsatz (sprich Schwanz) mit dessen Hilfe sie sich an andere Bewohner des Planeten andocken können um eine Art Symbiose herzustellen. Die Na’vi sind damit  nicht nur spirituell, sondern im wahrsten Sinne des Wortes “Eins mit der Natur”. Sie leben in Stammeskulturen die den amerikanischen Ureinwohnern ähneln. Zur Verteigung dienen ihnen überdimensionierte Bögen und Krummdolche. Dabei werden die Na’vi nicht als tumbe Wilde dargestellt, sondern vielmehr als einfühlsame, offene und stolze Lebewesen. Ihr Aussehen und ihre Bewegungen kann man als anmutig bezeichnen.
Wie man es sich an dieser Stelle bereits ausmalen kann, kommt es zum Konflikt zwischen den menschlichen Besatzern und den Na’vi, denn diese sollen einmal lernen was es heißt aufgrund von Gewinnmaximierungszielen von ihrem Grund vetrieben zu werden. Das hat bei uns Menschen schließlich eine lange Tradition, die man gerne pflegt. So ähnlich müssen wohl zumindest die Gedanken von Colonel Quaritch (Stephen Lang) aussehen, der mit seiner Söldnertruppe aus Ex-Marines dafür sorge trägt, dass jeglicher Widerstand der Na’vi niedergeschlagen wird. Da man es auf Pandora wohl zunächst auch einmal mit Zuckerbrot probieren wollte, hat man eine Wissenschafttruppe um Dr. Grace Augustine (Sigourney Weaver) mit den Mitteln ausgestattet, seelenlose Na’vi im überdimensionierten Reagenzglas zu züchten und diese dann von ausgewählten und geschulten Wissenschaftlern zu steuern. Dabei wird das Bewußtsein dieser Piloten in den Na’vi-Avatar hineinprojiziert und die Körper können so bewegt werden als wären es die eigenen.
Im Falle von Ex-Marine Jake Sully (Sam Worthington) sogar noch etwas besser als sein eigener Körper, da er seit einem Kampfeinsatz von der Hüfte ab gelähmt ist. Sully, der nur aufgrund des Todes  seines Zwillingsbruders in die Lage versetzt wurde einen Avatar zu steuern, spielt zunächst ein doppeltes Spiel, soll er doch nicht nur als Beschützer des Wissenschaftsteams fungieren, sondern auch für Colonel Quaritch ausspionieren in wie weit die Na’vi zu einer freiwilligen Umsiedlung bereit wären. Als Belohnung lockt ihn Quaritch dabei mit einer Operation, die ihm seine vollständige Beweglichkeit wiedergeben soll. Scully freundet sich jedoch schnell mit den Na’vi an, wird ihn ihren Stamm aufgenommen und erobert das Herz von Neytiri (gespielt von Zoe Saldana), der Tochter des Na’vi-Häuptlings.

Die Geschichte die in Avatar erzählt wird ist sicherlich nicht besonders komplex und wartet auch nicht gerade mit vielen Überraschungen auf, sie wird aber zu jedem Zeitpunkt plausibel und einfühlsam erzählt, ohne dabei plump zu wirken. Avatar wurde dafür kritisiert, dass die Geschichte stark an der Geschichte von Pocahontas angelehnt ist. Nun, die Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen, trifft aber auch auf Filme wie Der mit dem Wolf tanzt oder The Last Samurai zu, was die genannten Filme und deren Aussagen sicher nicht schlechter macht. Apropos Aussage, Avatar ist kein Film der den moralischen Zeigefinger wedelt, es ist aber angebracht zu erwähnen, dass die menschlichen Besatzer in der Hauptsache als “böse”, raffgierig und gewissenlos dargestellt werden, wohingegen die Na’vi zwar auch als kriegerisch charakterisiert werden, ihre innige Verbundenheit mit der Natur und miteinander sie aber als den Menschen moralisch überlegen erscheinen lässt. Wenn man die Wahl hätte, man wäre lieber Na’vi als Mensch. Dies wird auch zum Ende des Films mehr als deutlich.

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Sully entscheidet sich, geistig bereits längst Na’vi, nun auch seine menschliche Hülle gegen die eines Na’vi einzutauschen. Dies ist plausibel und für den Zuschauer absolut nachvollziehbar.

Avatar ist nicht weniger als ein technisches Meisterwerk und setzt, ähnlich wie Terminator 2 vor 18 Jahren, Maßstäbe was die CGI angeht. Die computergenerierten Effekte sind jedoch keinesfalls Selbstzweck sondern unmittelbar notwendig, um dem Zuschauer die phantastische Welt und Lebensweise der Na’vi auf Pandora näher zubringen. Der 3D-Effekt trägt natürlich in nicht unerheblichem Maße dazu bei sich mitten drin zu fühlen. Dabei haben mir vor allem die Szenen gefallen, in denen man mit anderen Charakteren an einem Tisch zu sitzen schien oder sich im Cockpit eines der Fluggeräte befand. Der Wald von Pandora wurde durch die 3D-Effekte lebendig und ich hatte zwischenzeitlich das Gefühl ich müsste Insekten aus meinem Sichtfeld verscheuchen. Vor wenigen Monaten hätte ich einen Film mit solchen Effekten noch als Gimmick abgetan und sehe mich auch zukünftig nicht einen 3D-Film nur wegen der Effekte besuchen. Wenn der Film, wie hier Avatar, aber so überzeugt, dann ist es ein phantastisches Erlebnis und ein Grund öfter ins Kino zu gehen.

Wie meine gute Freundin Alice während der Pause der Avatar-Vorstellung sagte, fühlte es sich an wie das erste Mal ins Kino gehen. Für mich bezieht sich die Aussage nicht alleine auf die 3D-Effekte, sondern auf die ganze Avatar-Erfahrung. Als mir während der Pause ein paar ca. zwölfjährige Jungs über den Weg liefen, musste ich an meine Kinoerlebnisse als Kind denken und habe gehofft, dass für die beiden Jungs Avatar so beeindruckend ist wie für uns damals Ghostbusters oder Krieg der Sterne.

8 Kommentare zu “Avatar”

  1. Madocon 05 Jan 2010 at 20:58

    Unobtainium ist schon vor Avatar ein Kosewort für Fantasiesubstanzen gewesen. Und was ich noch anmerken wollte: Auf dem dritten Bild wirken die beiden Navi wie Edward und Bella. Der Kerl schaut genau so dämlich drein wie Edward und hat ähnlich wie Eddie weit auseinander stehende Augen, und sie hat die typische Emo-Kopfhaltung.

  2. Graymalkinon 05 Jan 2010 at 21:24

    Das Unobtainium ist mir dann anscheinend in den letzten Jahrzenten des SciFi Schauens und Lesens kein einziges Mal begegnet.

    Wer oder was sind Edward und Bella?
    Was meinst Du mit Emo-Kopfhaltung?!

  3. Madocon 05 Jan 2010 at 21:41

    http://en.wikipedia.org/wiki/Unobtainium

    Edward und Bella sind an Dir vorüber gegangen? Oh Mann, Du glücklicher selbiger! Gemeint ist sowas in der Art hier:

    http://dark.pozadia.org/wallpaper/Edward-Bella-Twilight/

    Was die Emo-Kopfhaltung angeht, habe ich mich geirrt. Ich dachte, sie schaut traurig nach unten, so als sei sie mit dem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen und erdreiste sich nun, keinen Sinn im Leben zu sehen. Aber die Dame auf der Fotografie schaut doch recht gelehrig drein.

  4. Graymalkinon 05 Jan 2010 at 21:48

    Danke für den Link zum Unobtainium. Mir schien es schon reichlich merkwürdig, den Rohstoff so zu nennen. Vielleicht hatte Cameron den Namen als Platzhalten im Script vergessen ;)

    Von Twilight hatte ich zwar gehört, wie die Leute da heißen wusste ich nicht.
    Mit Emo hat das in Avatar nichts zu tun. Auf dem Bild bringt Neytiri Sully gerade das Bogenschießen bei.

  5. Graymalkinon 05 Jan 2010 at 21:59

    Hinweis: Ich habe einmal ein Spoiler Plugin für WordPress installiert (Advanced Spoiler) um den kleinen Spoiler des Endes von Avatar auszublenden. Ich selber fand den Sachverhalt zu keiner Zeit in Frage gestellt aber der Eine oder Andere möchte das vielleicht nicht lesen.
    Danke, Andreas für den Hinweis.

  6. Aliceon 06 Jan 2010 at 09:42

    fleißiges Bienchen Du! Was ne Rezension!
    mein Deutschlehrer wäre stolz auf Dich!
    Und ich bin dankbar eine weitere Gelegenheit zu haben, nochmal über den Film nachzudenken… und ne Chance zu haben, den ein oder anderen Namen vielleicht doch zu behalten, jetzt, wo ich ihn gelesen hab!
    (Die Anmerkungen zum Unobtainium find ich übrigens auch höchst interessant.)
    Ansonsten sei erwähnt, daß ich Dir in allem, was Du gesagt hast, zustimme. Ich empfehle jedem, sich diesen Film anzuschauen!

  7. BjörnGEon 06 Jan 2010 at 13:28

    So, direkt die nächste Premiere, mein erster Kommentar in deinem Blog :-)

    Zunächst hätte ich, für Leute die den Film noch nicht gesehen haben auch die Absätze 3&4 mit in den Spoiler-Block gepackt. Ich fand den Film auch deshalb so mitreißend weil ich so wenig darüber wußte. Das geht mir aber allgemein bei Filmen so und ist wahrscheinlich nur Geschmackssache.

    Das Detail mit dem Unobtainium ist mir vorher noch nie aufgefallen, also auch bei diesem Film nicht. Trotzdem (oder gerade deshalb) witzig!

    Was 3D allgemein betrifft muß ich sagen daß 3D mittlerweile für mich der einzige Grund ist überhaupt noch ins Kino zu gehen. Alles Andere ist zu Hause einfach komfortabler und praktischer, man kann Pause machen wenn man zum Klo muß (ich mußte mangels Pause einen etwas ruhigeren Abschnitt bei Avatar abpassen um mich zu erleichtern), man sitzt bequem (ok, Frage des Kinos) usw.

    Jetzt müßte man nur noch ein 3D-Kino finden in dem die Filme mit Originalton gezeigt werden, aber ich drifte langsam ab…

    Ich erwarte jedenfalls ähnlich Großartiges von Alice in Wonderland und Toy Story 3.

    Interessant jedenfalls daß du dir hier auch schon einen “Haustroll” hälst ;-) , wie kann man in diesem Zusammenhang auf Twilight kommen? Sehr sympathisch daß du die Anspielung erst nicht verstanden hast.
    Dazu als “Backflame”:
    Es gibt nur ein Team Edward!
    http://hijinksensue.com/2009/11/25/luna-nueva/

  8. Graymalkinon 06 Jan 2010 at 13:41

    DEN Edward lasse ich gelten. So say we all!

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