Graymalkin

Oceansize: Feed To Feed

Feed To Feed CoverDie kleine Band Oceansize aus Manchester hat sich in den letzten fünf Jahren zu einer meiner Lieblingsbands entwickelt. Ihre vielschichtige, rhythmisch teilweise komplexe Musik vermag, es eine Stimmung zu erzeugen die einzigartig ist.
Das zehnjährige Bandjubiläum nahm man zum Anlass, den Versuch zu unternehmen, die Stimmung eines Oceansize-Konzerts in Bits und Bytes auf DVD und CD zu bannen. Dazu spielten Oceansize an aufeinander folgenden Abenden in einem kleinen Club in Manchester ihre drei Alben in chronologischer Reihenfolge.
Eröffnet wurde die Konzertreihe mit ihrem Debut-Album Effloresce (2003), gefolgt von Everyone Into Position (2005). Den Abschluss bildete das Album Frames aus dem Jahr 2007. Um in den Genuss dieser Konzerte zu kommen, kann man nun als Fan der Band die auf 5000 Stück limitierte DVD/CD-Box Feed To Feed erwerben, in der sich die vollständigen Konzerte nebst Zugaben als DVD und CD befinden. Zu Vergötterungs- und Testzwecken habe ich mir dieses Boxset im offiziellen Oceansize Online-Shop bestellt.
Die Box selber ist hochwertig verarbeitet und enthält neben den Datenträgern selber, ein Booklet mit einem kurzen Rückblick der Band auf ihr Tourleben der letzten Jahre. Dies ist nicht viel an Begleitmaterial, zugegeben. Ein paar interessante Bandfotos oder Behind-The-Scenes Aufnahmen wären schön gewesen.

Feed To Feed

Die erste DVD eingeschoben, die Flasche Wein geöffnet und ich fühle mich nach kurzer Zeit von der Musik gefangen und nach längerer Zeit auch ergriffen. Trotz, oder gerade aufgrund der geringen Größe des Veranstaltungsortes gelingt es der Filmcrew die Stimmung recht gut einzufangen. Von der Bühnenshow her sind Oceansize sicher das komplette Gegenteil ihrer Landsmänner von Muse. Hier herrscht Understatement. Sänger Mike Vennart mimt nicht den Entertainer oder Spaßvogel. Die Kommunikation mit dem Publikum ist freundlich aber fast nicht nicht vorhanden. Dies wirkt nicht immer sympathisch aber jederzeit authentisch. Man merkt ihm an, das er mit einer gesunden Ernsthaftigkeit an seine Musik und Texte heran geht. Der Rest der Band wird, mit Ausnahme von Bassist Steve Hodson der eine ungünstige Position auf der kleinen Bühne erwischt hat, von dem Regisseur gut in Szene gesetzt und man hat so als Zuschauer auch einmal die Möglichkeit Drummer Mark Heron bei der Arbeit zu sehen. Eine wahre Freude!

Technisch sind die DVDs leider nicht so ganz der große Wurf geworden. Neben dem Fehlen jeglichen Bonus-Materials, ist vor allem das oft unruhige Bild mit den häufig auftretenden Kompressionsartefakten zu bemängeln. Da der kleine Club über keine besonders spektakuläre Beleuchtung verfügt, kann man hier auch nichts sonderlich außergewöhnliches erwarten. Unter soundtechnischen Gesichtspunkten sind die Aufnahmen über jeden Zweifel erhaben. Man kann die drei Gitarren gut auseinander halten, der Bass ist angenehm differenziert, das Schlagzeug klar und mit einem guten Bassdrum-Klang versehen. Hin und wieder könnte der Gesang mehr im Vordergrund sein, aber das ist eigentlich auch schon das Haar in der Suppe gesucht.
Feed To Feed ist etwas für Fans, so muss man es wohl ausdrücken. Wer die drei Alben der Band noch nicht besitzt, wird vermutlich nicht mit einer limitierten Live-Box den Einstieg suchen, auch wenn dies aufgrund der guten Tonqualität hier durchaus möglich wäre.

Die Frage die sich mir bei der Betrachtung der Konzerte anfangs stellte war diese: Warum macht man sowas nicht auf einer größeren Bühne? Mit besserem Licht und mehr Publikum? Eigentlich ist das aber genau die Frage, die ich mir schon des öfteren im Zusammenhang mit Oceansize gestellt habe: Warum spielen die nicht auf größeren Bühnen? Mit besserem Licht und mehr Fans?
Hoffentlich wird sich der Wunsch zum zwanzigsten Bandjubliläum erfüllen. Sie hätten es auf jeden Fall verdient!

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