Graymalkin

Alice In Chains: Black Gives Way To Blue

Alice in Chains - Black Gives Way To BlueIch kann mich noch gut erinnern, 1992 bei der Düsseldorfer Filiale der Musik-Kette WOM das zweite Album von Alice In Chains (AIC) mit dem Titel Dirt gekauft zu haben. Neben den düsteren Texten und der ungewöhnlichen Stimme, war ich damals bereits von der ungewöhnlichen Stimmung fasziniert, welche die Band mit ihrer Musik vermittelte. 17 Jahre nach Dirt und sieben Jahre nach dem Tod von Sänger Layne Staley, überkommt mich mit Black Gives Way To Blue diese Stimmung erneut.

Die Ankündigung, dass einer meiner Helden aus den 90er Jahren wieder auf Tournee geht, sorgt in den meisten Fällen bei mir noch für keine großen Freudensprünge (siehe Faith No More), wenn nicht auch die Ankündigung eines neuen Albums gemacht wird. Als zum Ende des vergangenen Jahres klar wurde, dass AIC mit ihrem neuen Sänger ins Studio gegangen sind um neues Material aufzunehmen, überwog bei mir auf Anhieb die Vorfreude. Wenn sich Sean Kinney, Mike Inez und Jerry Cantrell nach so langer Zeit wieder zusammen tun, wird das ja wohl überlegt gewesen sein. Und tatsächlich vermochte DuVall bereits auf dem Konzert in Köln in diesem Sommer zu überzeugen.

Knapp zwei Monate nach einem tollen AIC-Konzert in Köln, halte ich das Album in Händen und bin … ja was eigentlich?
Das Album geht mit All Secrets Known auf jeden Fall so los, wie man es von AIC erwartet: schön träge Strophe, offener Chorus und alles eher bassbetont. Check My Brain bekommt die liebgewonnenen leiernden Gitarrenmelodien spendiert, wie man sie sich von Cantrell erhofft und hat zudem einen ausgesprochen einprägsamen Refrain. Bei Last of My Kind glaubt man tatsächlich Staley sei aus der Urne gekrochen um die markante Strophe zum Besten zu geben. Ich glaube nicht, dass DuVall hier absichtlich nach Staley klingen will, der Vergleich drängt sich aber geradezu auf.
Alice in Chains haben damals mit ihren EP-Veröffentlichungen SAP und Jar of Flies und nicht zuletzt mit dem Aufritt bei MTV Unplugged gezeigt, dass sie eine Band sind die auf Akustik Instrumenten genauso beheimatet sind wie auf Marshalls und Ampegs. Die Songs Your Decision und When The Sun Rose Again auf dem neuen Album hätten auch wunderbar auf eine dieser Veröffentlichungen gepasst.
Der Song Acid Bubble ist wieder einer dieser sagenhaften AIC-Stücke, wie sie keine andere Band bislang nachgemacht hat. Schleppende Strophe, langgezogene Verse und ein eigentlich simples Gitarrenriff. Ärgerlich hier nur, der nicht vorhandene Übergang zu einem Uptempo-Teil. Ich glaub hier wollten sie zu viel AIC-Charakter in einem einzigen Song unterbringen und verloren dabei ein wenig das Ganze aus dem Blick. Schade, weniger wäre hier mehr gewesen. Take Her Out gefällt mir durch das schön treibende Zusammenspiel von Gitarre, Bass und Schlagzeug sehr gut. Private Hell führt uns ein klein wenig Down in a Hole, während die erste Single-Veröffentlichung A Looking In View für mich mit seinen sieben Minuten eigentlich den Höhepunkt des Albums darstellt. Hier fehlt nur ganz dringend eines von Cantrells einzigartigen Soli! Der Track den vermutlich viele gerne im Vorfeld zum Höhepunkt der Albums gemacht hätten, fällt in meinen Ohren leider fast komplett durch: Der Titeltrack des Albums ist eine kleine, langweilige Ballade, die auch durch die Beteiligung des von mir geschätzten Elton John nicht über ihre mittelmäßige Gesangsmelodie im Refrain hinwegtäuschen kann. Als Widmung der Band an ihren verstorbenen Freund Layne Staley, bleibt das Stück leider völlig hinter meinen Erwartungen zurück.

Ich finde Black Gives Way To Blue wirklich gut. Leider weiß ich nach mehrmaligem Durchhören nun immer noch nicht, wer William DuVall der Sänger wirklich ist. Zu oft drängt sich Jerry Cantrell mit seinem Gesang in den Vordergrund. Das war damals sicherlich nicht viel anders, durch Staleys sehr ungewöhnliche Gesangsstimme fiel dies nur nicht so auf. Insgesamt kommen alle noch übrig gebliebenen Alice in Chains-Fans mit diesem Album auf ihre Kosten und sollten sich die Band einmal live anschauen, wenn sie im November in Dortmund auftreten.

Videos auf www.aliceinchains.com

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Ein Kommentar zu “Alice In Chains: Black Gives Way To Blue”

  1. Ein grandioses Album, das mir viel Freude in den letzten Tagen bereitet hat. Ich find’s geil!!!

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