Graymalkin

Muse: The Resistance

Muse: The Resistance

Muse zählen zur Gruppe ausgewählter Bands bei denen ich hoffe und erwarte das sie sich von Album zu Album zumindest ein wenig neu zu erfinden. Die bisherigen Alben haben mich stets in dieser Hoffnung bestätigt und das neue Werk The Resistance bildet da keine Ausnahme.
Aufgenommen im eigenen Studio im Haus von Matthew Bellamy (Sänger und Gitarrist der Band) am Comer See, wurde das Alben erstmals komplett von der Band selber produziert und ließ dem Trio somit die Möglichkeit sich songwriting- und soundtechnisch vollständig auszuleben.

Der Großteil der Songs auf The Resistance klingen unverkennbar nach einer Fortsetzung des Weges den Muse mit Black Holes And Revelations eingeschlagen haben. Zu den knackigen vier- bis fünfminütigen Krachern (MK Ultra, Uprising, Resistance, Unnatural Selection) die man von Muse kennt, gesellt sich mit United States of Eurasia eine Muse-Operette die deutliche Queen-Anleihen beinhaltet. Auch Guiding Light hätte von seinem hymnenartigen Charakter her Queen oder U2 nicht schlecht zu Gesicht gestanden. Erwähnenswert ist auch der Song Undisclosed Desires, welcher vom Sound her stark in radiotaugliche Gefilde eintaucht und somit, obwohl musikalisch anders geartet, Erinnerungen an Supermassive Black Hole weckt. Mit I Belong To You gibt es einen funkig angehauchten Song der sich im weiteren Verlauf in eine Art Bombast-Chanson verwandelt. Bellamy kann hier wieder seine Stärke als Schreiber toller Klavierpassagen zur Schau stellen.
Die von mir erhoffte Weiterentwicklung und Neuerfindung der Band wird allerdings erst mit dem kleinen Opus Exogenesis eingeleitet. Hier wird der Bandkontext weitgehend aufgelöst und ersetzt durch eine klassische Instrumentierung. Man merkt deutlich, dass Bellamy sich hier richtig ausgelebt hat. Von einprägsamen Streicher- und Klavierpassagen durchzogen, findet man sich hier nach kurzer Zeit in der musikalischen Welt von Rachmaninoff und Chopin wieder. Inhaltlich geht es bei Exogenesis um die Herkunft und die Zukunft der Menschheit und wird somit auch textlich dem Anspruch gerecht, den Muse sich mit der Komposition von Exogenesis verordnet zu haben scheinen.

Es fällt mir nach mehrmaligem vollständigen Durchhören von The Resistance schwer eine endgültige Bewertung abzugeben, zu unterschiedlch sind die Stücke auf dem Album. Gerade der Bruch der durch das beeindruckende Exogenesis hervorgerufen wird, macht einen Vergleich mit anderen Muse-Alben schwierig. Die Bedeutung von Exogenesis im Muse-Kosmos zu beurteilen erscheint zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls noch verfrüht. Ich freue mich jedenfalls, dass es Muse aufs Neue gelungen ist mich zu überraschen und aus meiner Sicht eines der besten Alben des Jahres zu veröffentlichen.

Link zu The Resistance auf Amazon.de

Link zu The Resistance im iTunes Store

12 Kommentare zu “Muse: The Resistance”

  1. markuson 18 Sep 2009 at 11:47

    Danke für die ausführliche Rezension! Ich hatte nicht gedacht, dass Muse sich in diese Richtung weiterentwickeln.. Klingt aber sehr interessant.

    Damit ist meine Kaufentscheidung auf jeden Fall gefallen :-)

  2. Madocon 19 Sep 2009 at 07:11

    Bei Amazon-MP3-Downloads ist das Album 1€ billiger als bei iTunes. Ich werd’s mir aber nicht kaufen. Es weicht zu sehr von dem ab, was ich zu hören gewohnt bin. Statt dessen fiebere ich weiter Them Crooked Vultures entgegen.

    Was der Bauer nicht kennt…

  3. Graymalkinon 19 Sep 2009 at 19:30

    Danke für den Hinweis! Ich habe auf die Produktseite der CD auf Amazon.de verlinkt, dort findet sich auch ein Link zum mp3-Download.

  4. Madocon 22 Okt 2009 at 17:37

    Hmm. Jetzt denke ich doch darüber nach, ob ich’s mir holen soll. Das Cover-Bild ist auch ziemlich genial. Also weiß ich gar nicht, ob ich’s mir holen will, weil ich die Musik so mag, oder weil ich das Cover so gut finde, oder weil ich Deinen Bericht darüber so gut fand. :-)

    Da muss ich echt nochmal drüber nachdenken, glaub ich.

  5. Madocon 22 Okt 2009 at 17:42

    Eine Frage habe ich noch an Dich: Da Du Rachmaninoff und Chopin erwähnst – hörst Du auch solche Musik? Irgend welche Tipps?

    (Btw: Chromes Rechtschreibkorrektur meint zu Rachmaninoff: “Sprachmanipulation” – lustig aber auch die Variante ganz unten im Dropdown: “Krachmandel”, das passt ja!)

  6. Graymalkinon 22 Okt 2009 at 23:12

    Das Album-Cover ziert auch schon meinen Desktop-Hintergrund :)

    Ich höre klassiche Musik nicht regelmäßig, nein. Aber da meine Eltern und vor allem mein Vater, gerne klassiche Musik hören, hab ich das als Kind natürlich auch mitbekommen. Damals hatte ich Hörspielkassetten über das Leben und Schaffen der großen Komponisten und habe diese rauf und runter gespielt. Etwas Zugang habe ich da zur klassichen Musik schon gefunden und ein Album wie The Resistance macht mir da zugebenermaßen auch Lust wieder hinein zu finden. Wenn ich fündig geworden bin, werde ich es gerne weiter geben.

  7. Madocon 22 Okt 2009 at 23:25

    Würde mich freuen, danke! Bin jetzt auch im Besitz des Albums. Gefällt mir doch recht gut, ich finde es sehr hochwertig produziert und teils sehr gefühlvoll retro.

  8. Davidon 23 Okt 2009 at 09:55

    Ich kann euch beiden da Édouard Lalo empfehlen, auf den ich vor einer Weile durch Zufall gestoßen bin. Insbesondere seine Symphonie espagnole hat’s mir angetan!

  9. delimiteron 23 Okt 2009 at 13:46

    Oha. Eben bei Madoc reingehört. Zum Glück sind Geschmäcker verschieden. Für meine ungeübten Ohren klingt da Depeche Mode raus. Nicht, dass Ancore auf die Idee kommt, das im Büro zu spielen…

    Sorry, nicht mein Fall – aber eine interessante Erfahrung.

  10. Madocon 23 Okt 2009 at 13:50

    Ich habe auch Depeche Mode rausgehört – aber nur bei einem Song. :-) Vielleicht lohnt es sich für Dich, noch mehr Lieder von dem Album zu hören, denn die unterschieden sich wirklich teils recht stark voneinander. Es ist in meinen Augen bewundernswert, wie sehr Muse hier das Motto “Mach’s mit, mach’s nach, mach’s besser” umgesetzt hat.

  11. Graymalkinon 23 Okt 2009 at 14:10

    Also ihr könnte ja nur “Undisclosed Desires” meinen, oder? Das ist in der Tat der einzige Song der entfernt an Depeche Mode erinnern könnte. Wenn das ganze Album so klingen würde, wäre ich vermutlich auch nicht so begeistert von The Resistance, wie ich es jetzt bin.

  12. [...] und das Fehlen von Layne Staley vergessen lässt, ist umso überraschender. Wie bereits in meiner Rezension zu The Resistance ausgiebig erörtert, klingen Muse im Jahr 2009 noch  intensiver nach Muse. Seit [...]

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