Aug 23rd, 2009
Die Gamescom 2009
Eigentlich wollte ich ja schon seit ich regelmäßig Computerspiele-Magazine lese, also seit gut 20 Jahren, eine Computerspiele-Messe besuchen. Damals war es noch die ECTS in London und die CES in Las Vegas auf der die Neuheiten der Branche präsentiert wurden. Im Laufe der Jahre haben sich die Electronic Entertainment Expo (E3) in Los Angeles, die Tokyo Games Show (TGS) und zu gewissen Teilen auch die Games Developers Conference (GDC) in San Francisco als die Tempel der Spielebranche etabliert von denen die Priester dieser Zunft ihre Heilsversprechen (Duke Nukem oder Starcraft Ghost anyone?!) dank des Internets in alle Welt verbreiten. Bei allen den gerade genannten Messen handelt es sich mit Ausnahme der TGS um Veranstaltungen für Fachbesucher. Ausgerechnet eine Messe im beschaulichen Leipzig avancierte in den vergangenen Jahren zum wahren Zuschauermagneten mit bis zu 230.000 Besuchern und Ausstellern aus der ganzen Welt. Das es sich lohnen kann für die Vertriebsfirmen der Computer- und Videospielebranche eine große Messe auch für das allgemeine Publikum zu veranstalten scheint sich durch diese Zahlen zu bestätigen. Dieses Jahr fand die Games Convention erstmals unter neuem Namen (Gamescom) in Köln statt und dürfte damit für die vielen internationalen Besucher und Aussteller ungleich ansprechender von der Infrastruktur her gewesen sein als Leipzig. Dieses Jahr war es dann für mich nach über zwei Jahrzenten endlich einmal soweit einen der o.g. Tempel zu betreten und meine Würdigkeit im Angesicht der Hohepriester Peter Molyneux und Hideo Kojima zu beweisen.
Meine knapp acht Stunden auf der Gamescom an einem Samstag zusammen mit zwei guten Freunden und Zockern war trotz der z.T. sehr langen Schlangen vor den begehrtesten Titeln ein voller Erfolg. Nachdem wir uns anfänglich am DJ Hero Stand angestellt hatten um dann festzustellen, dass wir trotz der klein aussehenden Schlange bestimmt noch weitere 45 Minuten hätten warten dürfen um einen kompletten Song auf den Plastik-Turntables spielen zu dürfen, schlenderten wir durch unsere erste Halle. Es handelte sich hierbei ausgerechnet um die Activision Blizzard-Halle die mit Abstand am besten besucht war zu dieser Tageszeit. Die Aussicht Diablo 3 mal live zu erleben haben wir uns eigentlich schon umgehend abgeschminkt.
Während unseres gemütliches Ganges durch die Hallen war eines sehr deutlich zu sehen: Musik- und Rhythmus-Spiele sind alles andere als Schnee von gestern! Es scheint fast, als hätte jeder Publisher mittlerweile mindestens einen solchen Titel im Programm (Zitat eines meiner Begleiter: “Nein, Gray, bei Lipshandelt es sich nicht um einen Blowjob-Simulator!” Gemeint war das Karaoke-Spiel von Microsoft) . Da solche Spiele sich mutmaßlich ja gut für eine öffentliche Präsentation eignen, war die Gamescom übersät mit improvisierten Bühnen auf denen die Besucher “musizieren” konnten. Neben den obligatorischen Rock Band und Irgendwas Hero Bühnen gab es auch eine große Bühne mit echten Musikern die ein Akustik-Set gespielt haben. Nichts Weltbewegendes aber ganz nett als Kontrast zu den Erlebnissen aus der Konserve. Auch nicht aus der Konserve, dafür aber total freaky war der Auftritt zweier osteuropäischer Schauspielerinnen welche Charaktere aus dem neuen MMO Aionvon NC Soft darstellten (siehe Foto). Überhaupt scheint Verkleiden abseits vom Karneval ganz groß in Mode zu sein. Wir haben mindestens vier Lara Crofts entdeckt und auch die Charaktere aus Valves Team Fortress 2waren mit von der Partie. Hierbei sollte darauf hingewiesen werden, dass es unbezahlte Fanboys und Fangirls waren die sich als ihre Lieblings-Videospiele- und Mangafiguren verkleideten. Vor allem Elfen schienen total im Trend zu liegen. Wie sagt man in Köln: Jeder Jeck iss anders…
Dank des guten Wetters war es zwischendurch möglich dem Lärm zu entfliehen und etwas in der Sonne zu rösten und sich dabei ein Bier und eine Bratwurst zu genehmigen. Die Preise fand ich hierbei einer solchen Veranstaltung angemessen. Klar, das Publikum im Taschengeldalter wird das vielleicht anders gesehen haben aber von Straßenraub kann man bei Preisen von EUR 2,80 für eine Cola oder eine Wurst nicht gerade sprechen. Der Eintritt war mit EUR 13,50 für den Samstag auch absolut okay für die vielen Stunden Unterhaltung.
Ich will nachfolgend noch einen kurzen Abriss über die Spiele geben die wir etwas länger betrachtet haben.
Borderlands (PC) Scheint grundsätzlich eine interessante Idee mit schönem Artstyle zu sein. Wie Single- und Multiplayer zusammenkommen sollen ist mir nicht ganz klar geworden nach dem Demo-Video. Außerdem: kein Randy Pitchford Autogramm geholt. Der ist ja nicht gerade Richard Garriot oder Peter Molyneux!
Mafia 2 (Xbox 360, PC) Das Video sah unglaublich gut aus. Aber: Keine neuen Spielszenen gesehen. Buh!
Tropico 3 (PC, XBox 360) Sah überraschend Klasse aus. Ich mochte den ersten Teil sehr gerne auch wenn ich nie böse genug war um ein guter Diktator zu sein.
NHL 10 (XBox 360, PS3) Sah aus wie…NHL 10. Mich hat gewundert, dass es auf einer PS3 gezeigt wurde. Hoffe das liegt daran, dass das Risiko durchbrennender PS3 auf so einer Messe geringer ist als bei der XBox.
Need For Speed Shift (XBox, PS3) Das Setup mit den hydraulischen Sitzen und den dreifach-Displays war schon beeindruckend. Aber auch das Spiel scheint ein Schritt in die Richtung zu sein die mir besser gefällt. Ein Hybrid aus Simulation und Arcade-Rennen.
Forza Motorsport 3 (XBox 360) Um meinen Freund Nils zu zitieren: “Wenn ich langsam um die Kurve fahren will, dann fahr’ ich selber Auto!”. Zugegeben es sah wesentlich weniger flashy aus als Gran Turismo 5 oder NFS:Shift, ich hoffe aber dass es in den Bereichen noch etwas zulegen kann bis zum Release. Es sah etwas dröge aus.
blur (Xbox 360) Mal abgesehen vom dreisten Logo-Diebstahl scheint dies ein sehr arcadiges und deshalb vermutlich kurzweiliges Autorennspiel zu werden. Sehr viel Neon hab ich noch in Erinnerung.
Heavy Rain (PS3) Ich war echt enttäuscht von Heavy Rain. Es sah für mich echt nur aus wie eine Fortsetzung von Fahrenheit. Das Spiel in einem vollbesetzten Messestand zu betrachten ist vielleicht auch nicht das richtige Umfeld für so ein Spiel aber der Ersteindruck war: gääähn. Leider! Die Videos die ich bisher im Netz gesehen habe sehen jedoch graphisch umwerfend und spielerisch wirklich interessant aus. Von daher bleibe ich mal vorsichtig optimistisch.
Unchartet 2 (PS3): Die Demo hat richtig viel Spaß gemacht. Tolle Grafik, gute Steuerung, witzige Dialoge. Klasse! Ich freue mich!
Scribblenauts (Nintendo DS): Ein wirklich innovatives Puzzle- / Problemlösungsspiel für den Nintendo DS. Das Wort “Atombombe” auf dem DS schreiben und diese erscheint als verwendbarer Gegenstand im Spiel ist schon irre. Habe selber kein DS von daher wirds wohl bei dem Ersteindruck bleiben.
Little Big Planet (PSP): Es sah wirklich aus wie auf der PS3 und schien sich flüssig zu spielen so über die Schulter eines anderen Messebesuchers betrachtet. Charming!
Venetica (PC, Xbox 360): Rollenspiel vom deutschen Entwickler Deck13. Grafisch machte das Spiel einen wirklich guten Eindruck und auch die Hintergrundstory scheint interessant zu sein. Mal abwarten.
Warhammer Online (PC): Habe es vorher noch nie live gesehen und war überrascht wie gut es aussah. Wenn ich nach Ultima Online mal wieder Geduld für ein MMO hätte…
Star Wars: The Old Republic (PC): Lächerlicher Messe-Stand! Von außen toll aufgemacht und von Innen kann man im Internet Explorer irgendwelche Flash-Seiten zum Spiel anschauen. Video-Demo nur nach Anstehen.
Die PS3 Slim Zu meiner Verwunderung waren die meisten an Sony’s Stand verwendeten Demo-Konsolen schon die neue PS3 Slim, die ab Anfang September zu einem reduzierten (sprich: fairen) Preis im Laden stehen werden. Ansich gefällt das etwas schmalere und niedrigere Modell sehr gut. Einziger optischer Kritikpunkt: Das Plastikgehäuse wirkt wesentlich billiger als das der alten PS3.
Da wir nicht wirklich lange anstehen wollten, ist uns natürlich einiges entgangen. Bis zu vier Stunden anstehen ohne im Vorhinein genau zu wissen ob man selber spielen darf oder nur ein Video zu sehen bekommt ists mir dann doch nicht wert.
Zumal – und das ist vielleicht auch aus meiner Sicht ein wenig das Problem der diesjährigen Gamescom gewesen – viele der dort gezeigten Spiele noch vor Jahresfrist erscheinen werden. Sicher, einen Titel wie Diablo 3 der voraussichtlich erst 2011 erscheint mal selber spielen zu können wäre eine schöne Erfahrung gewesen aber vier Stunden anstehen?!
Insgesamt kann ich sagen einen tollen Tag auf der Messe verbracht zu haben. Ich könnte mir vorstellen nächstes Jahr noch einmal in dieser Konstellation dort hinzugehen. Vielleicht aber auch abhängig von den präsentierten Titeln. Noch hat die GamesCom nicht den Stellenwert erreicht, dass dort die ganz großen Titel neu angekündigt werden.
Um im Bild zu bleiben: Heiligsprechungen erfolgen also weiterhin in L.A. und Tokyo.
Nachtrag
Bei den vielen Verkleideten schien es sich wohl um einen Rekordversuch zum Thema “Größte Zusammenkunft von Spielecharakteren” gehandelt zu haben. Weitere Infos dazu auf joystiq.com.

Guter Bericht, Gray. Der Anfang gefällt mir sehr gut, auch das mit den Priestern und Tempeln hat mich zum Schmunzeln gebracht. Lustige Bilder in meinem Kopf. Bei den Spielen hätte es hier und da mal ein wenig ausführlicher sein können, aber sei’s drum. Sag mal, hast du dir nur Eishockey als Sportspiel, nehmen wir mal Motorsport zur Seite, angeguckt, weil dich nur das interessiert oder war bei König Fußball zu viel los?
Beste Grüße
Freut mich, dass Dir der Beitrag gefällt!
Ich bin jetzt wirklich nicht der größte Fußball-Fan und spiele Fifa/PES eigentlich nur sehr selten und dann mit Freunden auf der Couch. Die Fifa-Stationen waren derart umlagert, dass ich mir noch nicht einmal als Zuschauer einen Eindruck machen konnte.
Den EA Sports-Stand fand ich generell auch echt fürchterlich. Total verwinkelt und große Bildschirme nur auf Bauchhöhe.
Ich hätte gerne mehr von Fifa gesehen aber so war mir das zu nervig.
Hey, danke für den Bericht! Habe ihn sehr gern gelesen. Ich für meinen Teil fand es recht gut, dass Du den Bericht kompakt gehalten hast. Die Eindrücke zu den Sportspielen habe ich nicht gelesen, weil ich mich nicht für Sportspiele interessiere.