Mrz 24th, 2009
Who watches the Watchmen? Jeder doch hoffentlich!
Im vergangenen Jahr ist es mir gelungen ein Comic zu entdecken bevor eine Verfilmung dazu in die Kinos kam. Dies ist erwähnenswert, da ich nicht unbedingt ein großer Comic-Fan bin, in den vergangenen 15 Jahren jedoch die eine oder andere graphic novel (Sprich: Comic für Erwachsene) entdeckt habe die mir gut gefallen hat.
Der Comic Autor Alan Moore der durch seine Arbeit an The League Of Extraordinary Gentlemen und des ebenfalls verfilmten V for Vendetta bekannt geworden ist, schuf in den achtziger Jahren die Watchmen, eine Gruppe von maskierten Menschen wie Du und ich, die es sich zur Aufgabe gemacht haben das Verbrechen zu bekämpfen. Herausragend hierbei ist die Tatsache, dass diese Personen abgesehen von ihrer z.T. überdurchschnittlichen körperlichen Verfassung keine herausragenden Fähigkeiten besitzen wie man sie sonst aus Superhelden-Comics kennt.
Im Gegenteil: dies sind Menschen mit teilweise psychischen Störungen oder einer dunklen Vergangenheit mit der sie fertig werden müssen. Die einzige Person in dieser Riege von super-“normalen” Supermenschen ist der als Dr. Manhattan bezeichnete Jon Osterman, welcher nach einem Unfall im Rahmen eines Atomtests den er als Wissenschaftler half durchzuführen gottgleiche Fähigkeiten erhielt. Was die anderen Watchmen an Fähigkeiten vermissen lassen hat Dr. Manhattan in sich kumuliert. Das er dabei nicht nur nicht verkleidet ist, sondern meistens vollständig unbekleidet umherläuft muss für die anderen Watchmen schwer zu ertragen sein. Die Watchmen der sechziger und siebziger Jahre sehen sich als direkte Nachfolger der Minutemen welche in den 30er und 40er Jahren bereits als maskierte Helden den Schurken das Handwerk gelegt haben. Im Falle von Silk Spectre sind sie sogar direkt mit diesen verwandt und tragen deren Superhelden-Namen.
- Laurie Jane Juspeczyk als die zweite Silk Spectre
- Watchmen Gruppenfoto
Nachdem jedoch einer der Watchmen von einem Unbekannten ermordet wird beginnt sich die alte Riege zunächst wiederwillig zusammenzufinden um den Ereignissen auf den Grund zu gehen und auch stückweit ihre Vergangenheit als maskierte Rächer aufzuarbeiten.
Es kommt in der Tat nicht oft vor, dass es einem Film gelingt so nah an einer Vorlage – welcher Art auch immer – zu bleiben und dennoch für den Zuschauer einen Sinn zu ergeben. Ich denke Zack Snyder ist dies mit seiner Verfilmung des Comics der lange Zeit als unverfilmbar galt ausgesprochen gut gelungen. Im Comic werden große Teile der Hintergrundgeschichte nicht durch die üblichen Panels erzählt, sondern durch längere Passagen von Interviews oder Zeitungsberichten die die Charaktere der Watchmen und ihrer Vorgänger der Minutemen beleuchten. In einer der beeindruckendsten Eingangssequenzen eines Spielfilms die ich mich erinnern kann jemals gesehen zu haben, gelingt es Snyder viel von dieser Backstory vollkommen ohne Worte, dafür aber mit großartig gewählter musikalischer Untermalung (The Times They Are A-Changing von Bob Dylan) und sehr schönen Bildern, die berühmte Fotografien des 20. Jahrhunderts zitieren, näherzubringen. Was für eine Glanzleistung!
Die meisten Dialoge des Films bleiben ebenfalls stark an der Comicvorlage angelehnt und sind sogar in vielen Fällen absolut identisch. Es spricht für Alan Moore, dass diese Dialoge gesprochen von Schauspielern statt gezeichneter Figuren nicht aufgesetzt oder zu simpel wirken. Die Wahl dieser Schauspieler ist eigentlich durchweg gelungen. Insbesondere der psychopathische Rorschach (Jackie Earle Haley) und der von dieser Welt entrückte Dr. Manhattan (Billy Crudup) hätten keine besseren Darsteller finden können.
Der einzige Kritikpunkt an der Verfilmung von Watchmen der mir wichtig genug erscheint ihn zu erwähnen ist die Musikauswahl an bestimmten Stellen des Films. Es wird oft versucht durch die Musik einen Bezug zu der Zeit herzustellen in der die jeweilige Szene gerade spielt und dies erscheint mir in einigen Fällen sehr aufgesetzt (99 Luftballons als Hintergrundmusik zu einem Candle-Light-Dinner?). Darüber hinaus werden viele sehr bekannt Lieder verwendet (Hallelujah von Leonard Cohen, The Sound Of Silence von Simon & Garfunkel, All Along The Watchtower in der Hendrix-Version uvm.), welche für sich gesehen in den meisten Fällen tolle Stücke sind, in dieser hohen Stückzahl irgendwie aufdringlich wirken. Gerade Watchtower welches ich für sich gesehen grandios finde und welches auch im Comic zitiert wird, wollte mir an der im Film verwendet Stelle überhaupt nicht gefallen.
Zack Snyder ist es nach 300, der mir inhaltlich überhaupt nicht gefallen hat, gelungen eine perfekte Umsetzung einer Comicvorlage zu produzieren, die dieses Mal aus mehr als schönem Schein besteht. Wer sich bisher jedoch zu alt fühlte einen Comic zu lesen, für den könnte Watchmen den richtigen Einstieg in diese Welt darstellen. Der anschließende oder ausschließliche Besuch des Kinofilms lohnt sich in jedem Fall!



Ich muss endlich rein. Ich hab mir nochmal Watchmen als Vorbereitung reingetan und warte nun schon auf das die Leute, die Schmonzen ala Spiderman oder Fantastischen 4 erwarten, den Saal verlassen…
Ich hab mir Watchmen schon mal mit Anfang 20 reingetan, aber konnte mit dem Stoff damals noch nicht viel anfangen. Das hat sich allerdings geändert…