Jun 7th, 2008
Graymalkin und die Sammler des digitalen Klangerlebnisses
Als ich gestern durch die last.fm-Profile meiner Freunde schlenderte entdeckte ich dort den Song Nude vom letzen Radiohead-Album In Rainbows.
Dies erscheint als nicht weiter ungewöhnlich, zumal dies ja auch ein (nach langer Zeit) gutes Album der Band ist und besagter Song sicherlich zum ordentlichen Durchschnitt auf der Scheibe gehört. Die Wahl des Wortes ‘Scheibe’ im letzten Satz zeigt eigentlich schon die Richtung in die ich mit diesem Beitrag will, aber habt noch einen Moment Geduld mit mir.
Ich sah also das Lied in der Playlist und dachte mir, “hmm…ja gutes Album. Haste ja bei Erscheinen schon auf der offiziellen Radiohead-Seite legal erworben. Aber das Teil in der Schrankwand stehen zu haben, neben den anderen sieben Radiohead-CDs wär schöner…”.
Man könnte dies sicher als spinnerte Idee eines Sammlers betrachten, zumal mir dieser Gedankengang in dem Moment selber durchs Hirn schoss, während ich den aktuellen Preis auf Amazon zu checken mich aufmachte (Ergebnis: EUR 11,97! Das sind kaum 23 DM!). Aber das Album nochmal kaufen?! Ich hab das doch! Es liegt hier in Form von 51.230.211 Byte auf meiner Festplatte und auf meinem iPod! Aber ohne echtes Cover natürlich. Ohne dass es physisch Platz in meiner Wohnung einnimmt. Kann das denn richtig sein?
Ich kaufe mir seit ca. 19 Jahren Musik auf physischen Tonträgern und besitze fast alle CDs und Schallplatten noch in meiner Sammlung. Als Musikliebhaber musste ich natürlich, sobald die entsprechende Speicherkapazität der Geräte erreicht war auch meine gesamte Sammlung (Schallplatten mal ausgenommen) auf den Computer und letztlich auch den iPod übertragen. Kaufe ich mir heute eine CD wird die zunächst am Rechner eingelesen, mit ID3-Tags versehen, ein Cover runtergeladen und in die Bibliothek übernommen. Anschließend kann ich sie jederzeit und überall hören. Eine wirklich hervorragende Sache wie ich finde. Aber was passiert mit der CD? Nun ich habe sie ein paar Tage lang noch auf meinem Schreibtisch liegen um sie anschließend in die kaum noch “Speicherkapazität” aufweisende Regalwand zu stellen und fortan nur noch in ganz seltenen Fällen herauszuholen. Meine Stereoanlage ist natürlich mit dem Rechner verbunden, so dass ich die Musik in guter Qualität auch ohne Kopfhörer genießen kann. Lediglich die Mitnahme ins Auto fällt trotz iPod-Anschlusses noch nicht vollständig weg.
Unweigerlich macht man sich nach über einem Jahr Gedanken über die Sinnhaftigkeit eines solchen Vorgehens. Wäre es nicht einfacher die Musik über den iTunes-Store herunterzuladen? Selbstverständlich nur in der “iTunes Plus”-Version ohne DRM und mit niedrigerer Kompression. Man hätte die Schrankwand nicht so voll stehen und hätte der Umwelt die Herstellung der CD und den Transport erspart. Im Hinblick auf das Geld welches von einem solchen Verkauf wirklich beim Künstler ankommt scheint das allerdings nicht das gelbe vom Ei zu sein, wenn man dem ausgesprochen interessanten Artikel von David Byrne in einer der letzten Wired-Ausgaben glauben schenken kann. Ich empfehle wirklich jedem Musikinteressierten diesen Artikel zu lesen, der mittlerweile auch kostenlos auf wired.com zu finden ist.
Es spricht sicher Einiges dafür sich die Musik künftig bequem und schnell aus dem Netz herunterzuladen. Sollte Amazons Online-Musikangebot (völlig ohne DRM-Maßnahmen und sehr umfangreich) demnächst auch in Deutschland zugänglich sein, wird es für mich schwerer werden zu widerstehen.
Seitdem ich diesen Beitrag angefangen habe sind ein paar Tage vergangen und auf meinem Schreibtisch liegen abermals neue CDs (die neue Opeth und die neue Aimee Mann). Letztlich kommt es natürlich auf die nicht greifbaren Qualitäten von Musik an, aber für den Moment ist es noch ein gutes Gefühl etwas physikalisch Erfahrbares in Händen halten zu können.

Wenn ich Musik physikalisch erfahren möchte, drehe ich einfach den Subwoofer auf!
[...] ist zu diesem Thema noch der Artikel von [...]